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Liferay 7 - What to know about?
Liferay 7 - Ein erster Blick

Mobile View des Liferay DesktopsAnlässlich der Veröffentlichung der Community Edition von Liferay 7.0 stellt sich natürlich die Frage, was hat sich geändert und welche neuen Features wurden implementiert. Mit Version 7.0 findet ja ein richtig großer Sprung bei der Versionsnummer statt, Version 6.0 ist ja immerhin schon vor sechs Jahren erschienen. Und das bedeutet in diesem Fall auch, dass sich wirklich, wirklich viel geändert hat!

Man kann in diesem Rahmen gar nicht alles im Detail aufzählen. Das erste, was nach dem Start von Liferay 7.0 auffällt, ist die neue Optik. Der Stil des Standard-Theme wurde geändert und erneut in Richtung Flat Design modernisiert. Dabei wurde offensichtlich der Fokus auf die Darstellung auf Smartphones gelegt.

 

 

Das neue Look and Feel

Das neue Look and Feel zeichnet sich durch einen minimalistischen Ansatz - weniger ist mehr - aus. Dieser rechteckige, flache Minimalismus findet sich auch in den Kacheln von Windows 8 oder bei Google Material Design. Wie diverse Webseiten beweisen, kann man mit diesem stilistischen Ansatz wunderschöne, angenehme Seiten bauen. Selbstverständlich lässt sich das Aussehen des Portals weiterhin durch ein eigenes Theme den unternehmensspezifischen Bedürfnissen und Vorstellungen anpassen - eine Optik oder Stilrichtung die der Corporate Identity und den Corporate Design Vorgaben entspricht.

 

Seitenmenü von Liferay Eine hervorstechende Änderung betrifft vor allem das Menü für die Administration. Das Control Panel von 6.2 ist in ein ausfahrbares Slide-Menü auf der Seite gewandelt - und von dort hat man, ähnlich wie auch schon früher in Liferay 6.1, Zugriff auf die diversen Funktionalitäten, wie die Verwaltung von Usern, Sites, Inhalten und Seiten. Im Unterschied zu 6.1 handelt es sich aber nicht mehr um einen eigenen Bereich "Control Panel", sondern das Menü ist direkt auf jeder Seite verfügbar.

Der Vorteil dieser neuen Umsetzung zeigt sich einerseits bei der Bedienung auf mobilen Endgeräten, wo sich durch das Responsive Design die Bedienung einheitlicher und durchgängiger anfühlt, andererseits bei der Bedienung durch Personen mit weniger Berechtigungen (als der Admin). Das so eingeblendete Menü enthält dann nur die relevanten Menüpunkte und erlaubt übersichtlichen Zugriff auf genau jene Dinge, die z.B. der Redakteur oder der Editor sehen soll.

Die größte Hürde dürfte hier wohl die Umstellung der gewohnten Klick-Wege darstellen. Der langjährige Liferay-Admin, der die Version 6.2 gewohnt ist, wird sich zwar einerseits schnell zurechtfinden, da viele Masken im Kern gleich geblieben sind, aber bei manchen Dingen wird er doch wieder suchen müssen. Für Editoren und Redakteure, die meist deutlich weniger Menüpunkte ihr eigen nennen, wird es dagegen sicherlich einfacher.

Im Großen und Ganzen ist das neue Look and Feel sehr gelungen, wenn man von einigen Kleinigkeiten absieht, wo noch Optimierungen möglich sind. So befindet sich der "Neu hinzufügen"-Button jetzt immer in der rechten unteren Ecke, was zwar in Hinsicht auf Mobile sehr konsequent und passend ist, aber zumindest Anwender auf größeren Bildschirmen vor die Herausforderung stellt, den Button initial überhaupt einmal zu finden um dann den weiten Weg mit der Maus von links oben in die rechte untere Ecke zurückzulegen.

 

Der neue Editor

Eines der Highlights von Liferay 7.0 ist der neue Editor, den man am Besten selbst ausprobiert. Liferay hat dazu eine Demo-Seite im Internet, die die Vorzüge des sogenannten AlloyEditor demonstriert. Dieser Editor wurde auf Basis des bisher schon verwendeten CK Editor implementiert und glänzt durch Einfachheit und Erweiterbarkeit. Es ist, wie auch unten auf der Beispiel-Seite demonstriert, sehr einfach, eigene Funktionalität nachzurüsten und so den Editor auf die eigenen Bedürfnisse zu optimieren.

Eine große Verbesserung, die man auf der Demo-Seite nicht sieht, ist übrigens der neue Bild-Auswahl-Dialog. Der alte Dialog war relativ umständlich, der neue ist optisch wesentlich schöner gestaltet und kann auch leicht um weitere Tabs erweitert werden, um Editoren zu ermöglichen, Bilder aus anderen Quellen einzubinden. Ein kleiner Wermutstropfen dabei ist jedoch, dass mit der Verschlankung auch Funktionalität "verschwunden" ist.

Zum Beispiel wurde auch die Möglichkeit zur Vergabe eines Alternativtextes zu Bildern mit dem entsprechenden Eigenschaften-Dialog entfernt. Wenn man barrierefreie Webseiten nach den Richtlinien von WCAG 2.0 gestalten möchte, sind Alternativtexte bei Bildern ein absolutes MUSS. Sehr schade, dass diese Funktionalität nicht standardmäßig vorhanden ist. Barrierefreiheit ist für manche unserer Kunden eine absolute Notwendigkeit, ein Beispiel dafür, welches von uns auf Basis Liferay 6.2 implementiert wurde, findet man übrigens unter Digitales Österreich.

Hier ist aber anzunehmen, dass solche fehlenden "Kleinigkeiten" in absehbarer Zeit, eventuell auch durch die Community, nachgerüstet werden.
Ein Nachteil des Flat Designs und des neuen Editors zeigt sich beim Editor allerdings auch: Die Grenzen zwischen editierbaren und nicht editierbaren Inhalten verschwimmen, man weiß nicht auf den ersten Blick (wie bei klassischen Input-Feldern) was man alles editieren kann.

 

Der neue Formulareditor

Liferay 6 verfügte ja schon einerseits über ein einfaches Umfrage-Portlet, andererseits wurden zwischendurch die sogenannten Dynamic Data Lists (DDL) eingeführt, die Sharepoint Listen ähneln. Man definiert eine Liste aus Feldern, wie z.B. bei einem ToDo Task, Bearbeiter, Fälligkeitsdatum, etc. und diese können dann per Formular ausgefüllt werden. Eine nette Idee und fast praktisch. Leider konnte man diesen Formularen keine Funktionalität geben und ihr Design kaum anpassen (bzw. nur mit deutlicher Anstrengung). Mehrspaltige Anordnung der Eingabefelder, Validierung, automatisches Vorbefüllen von Feldern (z.B. bei einem Reiseantrag mit den Daten des Benutzers oder auf Basis der Auswahl) und einiges mehr waren häufige Wünsche an Formulare, die sich damit nicht erfüllen ließen.

Der neue Formulareditor strebt danach, all diese Probleme zu lösen. Dieser ersten Version fehlen zwar noch einige der erwünschten und notwendigen Features, auch die Dokumentation ist noch etwas kurz geraten - aber der Ansatz und die existierenden Möglichkeiten sind bereits sehr schön. Man kann sich relativ einfach mehrspaltige, mehrseitige Formulare mit simpler Logik "zusammenklicken". Sehr nützlich dabei ist, dass man eigene "Datenfelder" entwickeln kann, wodurch man die fehlenden "Spezialanforderungen", die erfahrungsgemäß in jedem Projekt auftreten, erfüllen kann.

 

Der Umstieg auf OSGI

Die fundamentalste Änderung, die das Portal erfahren hat, stellt der Umstieg auf OSGI dar. Während man am Frontend und als Nutzer davon nichts bemerkt, betrifft diese Änderung den Kern der Software und alle Entwickler, die für und mit Liferay arbeiten. Ohne ins technische Detail gehen zu wollen, geht es bei OSGI darum, Software in Komponenten zu zerlegen und die Komponenten voneinander unabhängig gestalten zu können. Bisher war es so, dass Liferay ein riesiges Produkt, ein Monolith, war und man konnte als Entwickler nur außen dazubauen. Liferay musste immens viel tun und einige Winkelzüge nutzen, um es Entwicklern zu ermöglichen, möglichst viele Anpassungen vorzunehmen.

Und doch waren da immer Barrieren, die man nicht überwinden konnte. Dinge die einfach nicht möglich waren, ohne sich die Möglichkeit zum Upgrade zu nehmen. Die eigene Komponente (das Portlet) war quasi immer ein Bürger zweiter Klasse in Liferay. Diese Schwierigkeiten werden durch OSGI im Grunde gelöst. Viele "Workarounds" von früher sind nicht mehr notwendig. Jeder Entwickler kann seine Komponenten hinzufügen, quasi als gleichberechtigte Bürger.

Für den Entwickler ist diese Änderung großartig. Die Erweiterbarkeit der Software ist immens gestiegen, viele Dinge die vorher schwierig(st) waren, sind plötzlich einfach geworden.

Durch diese massive Umstellung ergeben sich aber auch zwei Herausforderungen. Während zu Liferay 6 bereits viel Erfahrung und Best Practice existiert, fehlen diese bei Liferay 7 noch. Über die Jahre gewachsene Dokumentation, Forenbeiträge und Beispiele sind unersetzliche Schätze und plötzlich ist alles neu. Da bereits jetzt die ersten Community Erweiterungen auf Basis OSGI aufgetaucht sind, wird es nicht lange dauern, bis sich diese Schwierigkeit von selbst löst, aber die ersten Schritte zur Implementierung eines OSGI-Fragments sind aufgrund des Mangels an Beispielen unter Umständen schwierig.

Die zweite Herausforderung ist der Umstieg, das Upgrade, auf die neue Version. Das wird man zwar nicht gleich jetzt ins Auge fassen, aber wenn sich die Version etwas gesetzt hat, die ersten Service Packs erschienen sind, wird man vielleicht mit den neuen Features liebäugeln.

Die Menge an notwendigen Änderungen ist diemal besonders hoch, auch wenn Liferay mit einigen "magischen Tricks" versucht, die Dinge zu erleichtern. Ein Upgrade wird also dementsprechend schwierig und es empfiehlt sich, rechtzeitig für professionelle Hilfe zu sorgen!

Haben Sie Fragen zu Liferay 7? Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme und beraten Sie gerne zu Ihren individuellen Anforderungen und Optionen.

 
Ihr Ansprechpartner
Christoph Rabel
cr@dccs.at